Tom meets Zizou
Ich habe gestern die Dokumentation Tom meets Zizou in einem Hamburger Programmkino gesehen. Filmemacher und Sportreporter Aljoscha Pause begleitete für den Film den Fußballprofi Thomas Broich, der lange Zeit als “Hoffnungsträger für die Nationalmannschaft” gehandelt wurde. Wer den Film selbst gesehen hat, wird verstehen, warum ich diese Bezeichnung in Anführungsstrichen schreibe. Hier ein Trailer zum Film:
Der Film war für mich als Fußballfan im Allgemeinen und als Anhänger des 1.FC Köln, bei dem Broich von 2006-2009 spielte und den ich als Dauerkarteninhaber hautnah miterlebte, im Besonderen sehr interessant, aber auch aus der Perspektive der Hochbegabungsforschung lohnt sich ein genauerer Blick auf die Geschichte dieses Fußballers, der inzwischen in Australien spielt und dort in seiner ersten Saison den Meistertitel gewann. Es gibt sicherlich einige Punkte in dem Film, die eine genauere Betrachtung verdienen würden, aber ich will mich hier auf einen Aspekt beschränken.
Broich wechselt kurz vor seinem 23. Geburtstag und von der Fachwelt mit einigen Vorschusslorbeeren bedacht aus der 2.Liga zu Borussia Mönchengladbach in die Bundesliga. 
Hochbegabung in Kriminalität?
Thomas Müller ist österreichischer Kriminalpsychologe und vielen sicherlich aus diversen Fernsehauftritten bekannt. Aus einem Interview von Alexander Kluge mit Thomas Müller stammt der folgende Satz:
Müller: “Aber er hat seine unglaubliche Intelligenz, die er besessen hat, dazu verwendet, seine Phantasien in die Realität umzusetzen. Und das macht diese Leute so extrem gefährlich, weil sie manchmal hochgradig intelligent sind und die Fähigkeiten besitzen, die Intelligenz auf eine eben destruktive Art und Weise zu verwenden.”
Das ist eine Frage, die mich eigentlich seit dem ersten Tag meiner Forschung im Bereich der Hochbegabung umtreibt: Gibt es etwas wie eine Hochbegabung in Kriminalität? 
Der DFB und ich, das wird nichts.
In einem Artikel auf Zeit Online beschreibt Anna Gauto, welche Erfahrungen sie in der Nachwuchsförderung des Deutschen Fußballbundes (DFB) gemacht hat und warum sie sich gegen eine Karriere im Frauenfußball entschieden hat. Dabei setzt Gauto den Aufwand, den sie dafür hätte betreiben müssen, in ein Verhältnis zu dem finanziellen Ertrag:
“Jungs, die Fußballprofis werden möchten, müssen viel Disziplin aufbringen und Zeit opfern. Bei Mädchen ist das ähnlich. Nur die finanzielle Perspektive ist im Frauenfußball eine ganz andere. Wer Profi werden möchte, muss schon mit dreizehn Jahren täglich in den Kraftraum und auf die Ernährung achten. Jugendnationalspielerinnen haben eine Woche Schule, eine Woche DFB-Lehrgänge und wenig bis gar keine Zeit für Freundschaften außerhalb des Fußballs. Sie müssen so früh wie möglich von zu Hause weg, um für ein paar hundert Euro bei einem Bundesligisten zu spielen.”
Ich denke, es ist eine sehr realistische Betrachtung. Zumal die Entbehrungen im Jugendalter keine Garantie dafür gewesen wären, dass sie es tatsächlich bis in die Bundesliga geschafft hätte.
Es gibt aber auch genug Beispiele von anderen Frauenfußballerinnen oder auch von Sportlern anderer Disziplinen, bei denen Aufwand und Ertrag in einem ähnlichen Missverhältnis stehen, die aber eine andere Motivation gefunden haben, um die Entbehrungen auf sich zu nehmen. Diese motivationalen Aspekte zu identifizieren und gezielt in der Begabungsförderung einzusetzen, ist eine Aufgabe des jeweiligen Verbands und sicherlich auch ein Ansatz für Mentorenprogramme: “Ich habe zwar keine Reichtümer angehäuft, aber meine Olympiateilnahme hätte ich mir eh nicht kaufen können…”
Wann bist du denn müde?
DFB-Trainer Horst Hrubesch hat sich schon vor einiger Zeit in einem Interview (Teil 1, Teil 2) mit dem Fußballmagazin 11Freunde über den Nachwuchsfußball in Deutschland unterhalten. Aus diesem Interview möchte ich zwei Stellen zitieren, die einen interessanten Einblick bieten auf die Situation von Jugendtrainern im Profibereich, aber auch auf die Situation der Nachwuchssportler:
“Ein Spieler kam vor Jahren das erste Mal zu mir zum Lehrgang. Da fährt der Mercedes vor, der Junge steigt aus, Badetasche unterm Arm und dahinter die Mutter, die ihm die beiden Taschen Richtung Sportschule trägt. Ich stehe am Eingang und sage: “Stopp! Was machen Sie da?” Darauf die Mutter: “Ich will die Taschen aufs Zimmer bringen und einräumen.” Da habe ich gesagt: “Das macht der hier alles selbständig.” “Ich bin aber seine Managerin!” Sage ich: “Das ist wunderbar, aber hier hört dieser Weg auf. Hier macht er alles allein.” Sie hat dann einen bitterbösen Brief an den DFB geschrieben, wegen dem ich mich aber Gott sei Dank nicht verantworten musste.”
Und später im Interview antwortete Hrubesch auf die Frage, ob den Nachwuchsspielern zu viele Entscheidungen abgenommen werden, wie folgt:
Raus mit den Kindern – aus dem Auto!
Ab und zu biete ich Beratungen zum Thema Begabungsförderung an – in Kindertagesstätten oder an anderen Orten, die von Familien für Bedeutung sind. Oder Menschen werden an mich verwiesen, wenn Kolleginnen und Kollegen das Gefühl haben, dass ich weiterhelfen kann. Für solche Gelegenheiten habe ich inzwischen auch eine recht stattliche Liste von Ideen angelegt, wie Eltern mit einfachsten Mitteln ihre Kinder fördern können. An einen dieser Punkte hat mich der folgende Spot für die Bahn erinnert:
Der erste Schritt zu einer vernünftigen Förderung aller Kinder ist nämlich nicht die Teilnahme an Sommercamps oder der bezahlte Unterricht in der Musikschule – manchmal reicht schon ein Busticket. 